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Übrigens ...
... soll es, wie ich kürzlich bei Rudolf Steiner las, so etwas wie einen »Pfad der Verehrung« geben, auf dem wir zu »Wahrheit und Erkenntnis« gelangten. Nun gibt es ja solchen Aussagen gegenüber, von der neutral-stupiden Gleichgültigkeit einmal abgesehen, nur zwei Verhaltensweisen: Entweder treibt einen die Neugier, das Gelesene als Möglichkeit in Erwägung und tätigen Betracht zu ziehen – oder aber es erhebt sich ein kritisches Geschrei des Inhalts, daß nicht sein kann, was nicht sein darf, zumal nie und nirgends je bewiesen worden sei, daß jene »höheren Welten«, von denen der Autor in seinem Buche spricht, überhaupt existierten, weshalb also auch jedes diesbezügliche Vorhaben tunlichst unterbleiben sollte. Schließlich gäbe es genügend Experten, die sich auf dem Gebiete umgetan und nichts gefunden hätten.
Wenn da nur nicht diese simplen Sätze wären, die ich auf den nächsten beiden Seiten des nämlichen Buches finde: »Die Erfahrung lehrt, daß diejenigen Menschen auch am besten verstehen, das Haupt frei zu tragen, die verehren gelernt haben da, wo Verehrung am Platze ist. Und am Platze ist sie überall da, wo sie aus den Tiefen des Herzens entspringt.« Und dies: »Unsere Zivilisation neigt mehr zur Kritik, zum Richten, zum Aburteilen und wenig zur Devotion, zur hingebungsvollen Verehrung. Unsere Kinder schon kritisieren viel mehr, als sie hingebungsvoll verehren. Aber jede Kritik, jedes richtende Urteil vertreiben ebensosehr die Kräfte der Seele zur höheren Erkenntnis, wie jede hingungsvolle Ehrfurcht sie entwickelt.«
Sollte das etwa passiert sein, als ich meine ersten »ehrfurchtsvollen« Begegnungen mit Beethoven, mit Mahler, mit Bruckner hatte? Und sollten diese inzwischen gut hundert Jahre alten, auf viel älteren »Entdeckungen« fußenden Steineriana mir vielleicht das Problem erklären, das ich mit all dem Zerreden geistiger, namentlich künstlerischer Erlebnisse habe? Habe ich deswegen immer am meisten von schöpferischen Leistungen, wenn ich sie erst einfach wirken lasse und nachher ganz allmählich auch in die intellektuellen Denkbarkeiten eindringe? – Besser ist es, hier nicht weiterzudenken. Sonst setze ich mich am Ende noch der Kritik aus, ein Träumer und Phantásianer zu sein. Das könnte ich gar nicht gebrauchen ...!
(15.8.09)
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Rudolf Steiner
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