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... hat mich vor einigen Wochen ein befreundeter Kritiker – ganz recht, so etwas kann es in Ausnahmefällen durchaus geben! – auf eine ziemlich neue Gesamtaufnahme der Beethoven-Symphonien aufmerksam gemacht. Ich sollte, sprach er, seine Empfehlung ruhig vertrauen und mir dieselbe besorgen, und wenn ich hinterher nicht aus dem Häuschen wäre, dann wolle er mir den Anschaffungspreis erstatten ...
Nun kenne ich meinen Pappenheimer und weiß, daß ich mich auf sein Urteil eigentlich ebenso wie auf seine generöse Offerte verlassen kann. Weshalb ich auch, obwohl ich die eine oder andere Symphonie des Meisters durchaus schon mal gehört habe, das Experiment nicht scheute, mir die 6-CD-Box zu- und aufs Geratewohl die Siebte auflegte. Dann die Erste, die Zweite – nun, Sie können selbst ahnen, wie's weitergeht und was mir bei den Stunden mit den Symphonien sowie etlichen der bekannten Ouvertüren passierte: Jos van Immerseel und sein Orchester anima eterna aus Brügge, die für das Label zig zag territoires schon mancherlei bewundernswerte Leistung vollbracht haben (der Bolero und das Klavierkonzert für die linke Hand von Maurice Ravel sind zwei solcher Knüller) – diese muntere, junge Truppe spielt tatsächlich einen Beethoven, daß einem ganz anders werden kann. Das alles ist so selbstverständlich und „unwissenschaftlich" richtig, mit einem derart ungehetzten und dennoch immer beschwingten Maß, einer instrumentalen Transparenz und einer Liebenswürdigkeit musiziert, wie man es sich nur wünschen kann. Nebenstimmen erblühen, die zwar in den Noten, meist aber auch in den Sternen stehen. Phrasen und Bögen atmen reine Natur. Die Größe der Werke wird nicht erzwungen, sondern sie ist ganz einfach. Wie auch die Frage des sogenannten „Originalinstrumentariums" hier völlig natürlich gelöst wird: Man nimmt, was zu Beethovens Zeit zur Verfügung stand, nicht aus konfessionellen, sondern aus den nächstliegenden Gründen – weil's den ungezwungendsten Effekt macht und den besten Affekt obendrein. „Strumenti evidenti", habe ich irgendwo gelesen, nennt Jos van Immerseel die jeweilige „Registrierung", für die er auch immer die passenden Experten hat: Wer mit einem Horn von 1800 nicht umgehen kann, dafür aber auf einem solchen von 1880 brilliert, der spielt halt Liszt oder Mahler, nicht aber Beethoven, und wem die gerade Naturtrompete Mühe macht, der ist womöglich bei Rimsky-Korssakoffs Sheherazade der beste Magnetberg aller Zeiten.
Kurz gesagt: Die unbürokratische Art, große Musik zu spielen, schlägt mit aller Überzeugung durch und fährt nicht nur in der Pastorale wie der Blitz durchs etablierte Repertoire. Womit ich nicht sage, daß die großen Alten, die uns mit ihrem Beethoven auch heute noch die Schauer der Ehrfurcht und des Entzückens über den Rücken jagen, nun nichts mehr zu sagen hätten. O nein! Aber die Experimentierer, die Tüftler, die Metronomiker und Schriftgelehrten – die können sich warm anziehen und die Koffer packen.
Packen konnte dann am Ende auch der kritische Freund, nämlich sein Portmonnaie ein. Regressansprüche wurden nicht gestellt. Die Box wird nicht zurückgegeben.
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Ludwig van Beethoven Symphonien Nr. 1 - 9 Thomas Bauer, Bass
Anna Kristiina Kaappola, Sopran
Marianne Beate Kielland, Alt
Markus Schäfer, Tenor
Anima Eterna
Leitung Jos van Immerseel
ZZT080402.6
6 CD • 2008
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