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Übrigens ...
... war ich ziemlich überrascht, auf einem CD-Cover der Firma Naxos den Namen Yannis Markopoulos zu lesen. Der Mann, der mit seinen herrlichen Liedern in der griechischen Heimat eine Legende und mit der Titelmusik zu der Serie Who pays the ferry man? international berühmt wurde – der jetzt also auch auf den Spuren derer, die à la Paul McCartney »mal eben« in die Klassik hinüberstiefeln und mit viel sinnlosem Getöse ein Oratorium oder ähnlich nichtssagende Partituren zusammenstricken?
Anfang der achtziger Jahre hatte ich erstmals von Yannis Markopoulos
gehört. In den Kölner Messehallen gab er ein Konzert mit seinem Ensemble, das Publikum war zu schätzungsweise 99% der Landessprache seiner Songs mächtig, die Atmosphäre eher Volksfest als »Konzert« (mit der spitzen Schnute eines »Connoisseurs« gesprochen) – und ich weiß noch heute, wie tief berührt ich den Schau- und Hörplatz des Geschehens wieder verließ. Erfahrungen solcher Art verbinden dauerhaft, und man wird begreifen, daß ich mir die schöne Erinnerung nicht durch krampfhafte »Klassik« wollte ramponieren lassen ...
Doch Markopoulos, der in diesem Jahr seinen Siebzigsten feiern wird, ist sich treu geblieben. Einfache, ergreifende Melodien und Harmonien, eine mitreißende Rhythmik und eine oft beinahe holzschnittartige Instrumentierung bestimmen die Die Liturgie des Orpheus, in der nach bester Oratorienmanier die Legende des berühmten antiken Sängers erzählt wird. Zwischen den Rezitationen des exzellenten englischen Sprechers gibt es, ganz nach klassischen Vorbildern, eine Reihe von Chören und Solosätzen für Sopran oder Bariton (auf antike griechische Orpheus-Texte) sowie ein paar Instrumentalstücke – doch das alles ist eben echtester Markopoulus und nicht der Versuch, jetzt auch noch das »klassische« Publikum um die geldzählenden Finger zu wickeln.
Katharsis nannten die Alten das, was Schauspiel und Kunst überhaupt bei den Menschen bewirken sollte – eine Reinigung von schädlichen, negativen Gefühlen (also das genaue Gegenteil dessen, was uns heute als Film und Fernsehen offeriert wird). Und diese uralte Kunstidee hat sich bei dem Mann von Kreta, diesem geradlinigen Musiker mit seinen im positiven Sinne »naiven« Melodien erhalten. Andernfalls hätten sich die Eindrücke aus den Kölner Messehallen schon nach wenigen Minuten in Rauch aufgelöst. Das geschah nicht. Vielmehr ertappte ich mich bei dem unzulässigen Gedanken, was denn wohl wäre, wenn aus dieser Ecke Europas wieder einmal eine Renaissance käme? Vielleicht sollten wir ein bißchen genauer hinhören.
(8.2.09)
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Yannis Markopoulos
Die Liturgie des Orpheus
José van Dam, Elena Kelessidi,
Philipp Sheffield, Arielle Valibouse, Marc Grauwels
Flanders Opera Symphony Orchestra
Edwig Abrath
Naxos 8.572235
1 CD • 64:15 Min. • 2009
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